united klicks
wer?
HISTORIE
STATUS QUO
QUO VADIS
PERSONA
HISTORIE

Im September 2011 wurden wir von der Firma Konzept-V, Königstein, für die Realisierung eines „Tablets“ für Senioren angefragt. Grundlage der Anfrage war die Auswertung verschiedener Umfragen bei Senioren und der sich daraus ergebende Handlungsbedarf.

So befragte die BITCOM 2010 - 1001 Personen ab 14 Jahren nach Ihrem Internetnutzungsverhalten. Hier zeigte sich deutlich der „Digitale Graben“ bei Nutzern im Alter über 65 Jahre. Während sich in der Gruppe der 14- bis 29-jährigen nur 14 % ein Leben ohne Internet vorstellen konnten, waren es bei der Generation 65 Plus über 90 %. Diese und weitere Studien belegen, dass es sich weitgehend nicht um eine freiwillige Askese, sondern vielmehr um eine Barriereproblematik handelt. Das von BITCOM gezogene Fazit lautet: „Das Web muss jetzt die Senioren erreichen“.

Das Fatale an dieser Erkenntnis ist, dass der „Digitale Graben“, wie ihn die BITCOM bezeichnet, keine abstrakte Größe darstellt, sondern entscheidende Auswirkung auf das Kommunikationsverhalten zwischen den Generationen hat. Wir sind gerade auf dem besten Weg eine ganze Generation von den aktuellen Möglichkeiten der Kommunikation abzukoppeln. Somit verstärkt sich die ohnehin zunehmende Isolation dieser Generation.

Geht man nun der Frage nach den Hauptbarrieren bei der Generation 65 Plus nach, so sind folgende Schwerpunkte auszumachen (CEIT Studie):

bulletpoint   Bei 87% der Befragten sind mangelnde Kenntnisse bzw. mangelnde Fähigkeiten bei der Nutzung notwendiger Hardware ausschlaggebend für die Nichtnutzung

bulletpoint   Bei 75% der Befragten ist die mangelnde Unterstützung beim Einstieg hinderlich

bulletpoint   Bei 71% der Befragten sind Sicherheits- und Datenschutzbedenken ausschlaggebend

Nimmt man das Ergebnis dieser Umfrageergebnisse als Basis, so wird klar, dass die technische Überforderung eines der Haupthindernisse unserer Zielgruppe darstellt. Bei der Betrachtung aller momentan verfügbaren Systeme stellt sich schnell heraus, dass eine Anpassung an die kognitiven Fähigkeiten und Bedürfnisse von Senioren nicht stattgefunden hat.

Bei der Entwicklung eines geeigneten Systems ging es also darum, zunächst die kognitiven Überforderungen abzubauen. Hier stellt das „System“ Tablet ein ausgezeichnetes Medium dar. Durch die weitgehend berührungsgesteuerte Bedienung wird eine neue, haptisch und taktil erlebbare Interaktion hergestellt. Um eine maximale Systemanpassung vornehmen zu können, entschieden wir uns für ein Android Betriebssystem, um auch tiefreichende Eingriffe in die Systemprogrammierung vornehmen zu können.

Ein nächster Schritt war die Auswahl geeigneter Applikationen. Auch hier stützten wir uns bei unserer Auswahl auf die Ergebnisse der CEIT Studie. Hier wurden den Senioren verschiedene Apps vorgestellt, um herauszufinden, wo die Interessensschwerpunkte lagen. Hieraus entwickelten wir ein erstes Core Set aus 22 bestehenden und teilweise neuen Applikationen.

Ein sehr wichtiger Schritt war die Entwicklung eines geeigneten GUIs. Fast alle Systeme und Oberflächen verfügen über ein völlig mangelhaftes Interface. Gehen wir beim Menschen von einer kognitiven Belastungsgrenze von maximal neun gleichzeitig angebotenen elementaren Informations- bzw. Auswahleinheiten aus, so erkennt man schnell, dass diese Grenze bei den meisten Informationssystemen überschritten wird. Dies gilt sowohl für die Gliederung, als auch für den Umfang des angebotenen Informationskomplexes und verstärkt sich bei der von uns fokussierten Altersgruppe, da bei den Senioren von einer noch weitergehenden Einschränkung der technischen und kognitiven Fähigkeiten auszugehen ist.

Die eigentliche Herausforderung für uns lag darin, Gliederung und Menge des Informationsflusses neu zu strukturieren. Hierzu erstellten wir ein völlig neues User Interface um eine weitestgehend intuitive und barrierefreie Oberfläche und Navigation zu entwickeln. Ziel der Entwicklung sollte es sein, die mangelnden technischen und kognitiven Fähigkeiten bei unserer Zielgruppe durch einen maximalen Benutzungskomfort zu kompensieren.